Schwach getan & stark getäuscht

Zeigt jemand beim Poker Schwäche, ist dies ein für uns günstiger Angriffspunkt. Viele Spielzüge und Verhaltensweisen offenbaren Schwäche, wenn man sie denn zu lesen weiß.

Schwäche zu erkennen ist wohl einer der ersten Aspekte, mit welchen man sich als Poker-Neuling auseinandersetzt – es gehört also zum Basiswissen. Aber gerade weil es zum Basiswissen von Neulingen (Spieler 1) gehört, kann ein besserer Mitspieler (Spieler 2) Schwäche vortäuschen. Spieler 2 suggeriert unüberlegtes oder zögerliches Handeln und schwache Hände, damit Spieler 1 glaubt „Hey, hier mache ich Profit“. In Wahrheit will Spieler 2 aber nur die (unbegründete) Selbstsicherheit von Spieler 1 aufbauen, Pots anschwellen lassen und abräumen.

Wer schwach ist, ist schwach. Lasse ich mich schwach erscheinen, kann ich dies aber zu meiner Stärke machen. Genau diesem Grundsatz folgt beispielsweise die Spielstrategie des Slow-Play oder das Vorgehen eines Check-Raise.

Beobachte, beobachte, beobachte!

Viele Handlungen (bzw. auch das Ausbleiben von Handlungen) deiner Mitspieler, nicht nur Spielzüge, geben Dir Informationen über seinen Charakter und seine Spielweise. Du solltest also mit voller Aufmerksamkeit beim Spiel sein und jede Handlung deiner Mitspieler beobachten. Daraus kannst Du viele Schlussfolgerungen bilden, welche Du im Spiel dann gegen eben diesen Mitspieler einsetzt.

Insbesondere beobachtenswert sind:

  • Kommt ein Mitspieler mit maximalem Stack an den Tisch? Wenn nicht, ist dies ein Indiz für einen Anfänger.
  • Spielt ein Mitspieler eher tight oder loose, aggressiv oder passiv?
  • Jeder Showdown verrät Dir viel. Mit welcher Starthand geht der Spieler in den Kampf und wie stark verteidigt er diese? Wie stark baut der Spieler auf einen Bluff-Effekt?
  • Geht der Spieler mit einem Limp in den Flop? Dies wird zumeist als schwächliches Verhalten gewertet.
  • Wann bricht der Spieler ein? Riskiert er in frühen Wettrunden eher einen Bluff-Call oder Bluff-Raise, in der Hoffnung andere Mitspieler verdrängen zu können und knickt dann aber ein, wenn man den Druck mit hohen Bets aufrecht erhält, erhöht oder gar an die Grenzen seines Stack geht?
  • Wann und wie ändert sich das Handlungsschema des Mitspielers?

Mathematik vs. Psychologie

Ein mathematisch makelloses Spiel kann sicher finanziell erfolgreich sein. Würde man rein nach mathematischen Grundsätzen spielen, würde man langfristig gewinnen.

Ein mathematisch, auch im Detail, perfektes Spiel erfordert jedoch wahrscheinlich eine vom Menschen unleistbare Leistung. Jeder ambitionierte Spieler kann jedoch jene Mathematik verinnerlichen, welche eben dem aktuellen geistigen Vermögen angemessen ist. Ebenso werden sich mathematische Grundsätze, sofern sie denn dem Spieler bekannt sind, durch regelmäßiges Spiel einprägen. Somit kann man nach und nach, Stück für Stück, die mathematisch sinnvollen Aspekte verinnerlichen und deren Kenntnisse erweitern.

Auf der anderen Seite tätige ich oftmals Spielzüge, insbesondere (Re-)Raises, welche aus mathematischer Sicht vollkommen fehl sind. Bei diesen Spielzügen ist mir aber nicht die Mathematik wichtig, sondern die Psychologie dahinter. Somit erreiche ich dann – sofern man solch psychologischen Spielzüge bedacht und gezielt anwendet – höhere Gewinne, als wäre ich dem mathematischen Weg gefolgt.

Outs, Pot-Odds usw.

Ich will nicht behaupten, das man nur dann finanziell langfristig erfolgreich Poker spielen könne, wenn man seine Outs und die Odds berechnen kann. Aber es ist gewiss, dass sobald Du Outs und Odds berechnen kannst, weniger Geld verlieren wirst – sofern Du Dich an die Resultate und Maßgaben deiner Berechnungen hältst.

Du kannst auch ohne diese Berechnungen mit dem Pokern beginnen. Hast Du jedoch ernsthaft Ambitionen, um mit Poker Geld zu verdienen, sollten Dir diese Rechnungen nicht fremd sein. Auch wenn es am Anfang während des Spiels zeitaufwändig wirkt – diese Rechnungen werden Dir durch regelmäßiges Spiel verinnerlicht, sodass Du entsprechende Werte schon bald nicht mehr berechnen musst, sondern abrufbereit in Dir hast.

Die Berechnungen der Outs brauchst Du nicht während schnellem Online-Poker trainieren. Besorge Dir für kleines Geld ein Kartendeck und lege Dir die Karten offline. Somit hast Du ausreichend Zeit und Ruhe die Werte zu verinnerlichen. Auch die Berechnung der Odds kannst Du, abseits des Computers, in langsamen Trainingsrunden mit deinen Freunden entspannter üben.

Woran erkennt man schlechte Spieler?

  • Kauft sich jemand NICHT mit der maximalen Stacksumme in den Tisch, ist dies ein deutliches Indiz für einen unerfahrenen Spieler.
  • Ein Spieler, welcher schnell den Pot anwachsen lässt, um ihn dann leichtfertig aufzugeben. Baut man während der Setzrunden selbstsicher genug Druck auf, knickt ein solcher Spieler oft ein – oder verliert, sofern das eigene Blatt ausreichend stark ist.

Suche dir den richtigen Tisch

Wenn ich einen Tisch mit einem freien Platz suche, welche Art von Spielern will ich dann am Tisch haben? Wenn der Buy-In eines Tisches 5 Euro beträgt, aber alle Spieler einen deutlich höheren Stack auf dem Tisch haben, was sagt mir dies? Hier saßen mal Verlierer am Tisch, welche von scheinbar fähige(re)n Spielern kräftig ausgenommen wurden. Ich verspüre dann keinen Drang, an genau diesem Tisch einen Platz nehmen zu wollen.

Du musst nicht der beste Spieler der Welt sein. Nur besser als deine Mitspieler am Tisch.

Den Pot anwachsen lassen

Wenn Du ein sehr gute Starthand, mit welchem es zu schade wäre, den Pot nur auf einen kleinen Betrag anwachsen zulassen, solltest Du den Pot in den hinteren Bietrunden anwachsen lassen. Versuchst Du dies schon in den frühen Bietrunden, verdrängst Du möglicherweise Mitspieler (welche doch den Pot füllen sollen), da Du zu früh signalisierst, das Du super Karten hast.